Die Stimmung in der Chipbranche ist alles andere als rosig. Immer mehr Analysten senken ihre Schätzungen und passen ihre Kursziele entsprechend an. Ein Trend, der auch an Infineon nicht spurlos vorbeizieht. Zuletzt haben sich Jefferies und die Citigroup nahtlos eingereiht. Wichtig: Auch nach den Anpassungen sehen die Experten noch Luft nach oben für die Aktie des heimischen Chipherstellers.
Die US-Bank Citigroup hat ihre Kursziele für europäische Halbleiterunternehmen gesenkt. Es sei aktuell "hart in der Welt abseits von KI", so Analyst Andrew Gardiner in seinem am Donnerstag vorliegenden Kommentar zur europäischen Halbleiterbranche. In den Bereichen Automotive und Índustrial gebe es immer noch Lagerbestände abzubauen, und bei Smartphone- sowie PC-Chips stocke die Erholung. Gardiner kappte seine Schätzungen - nach eigener Aussage hoffentlich zum letzten Mal vor einer Nachfragebelebung 2025. Für Infineon schraubte Gardiner sein Kursziel von 45 auf 40 Euro zurück, bestätigte aber seine Kaufempfehlung.
Die Kollegen von Jefferies („Buy“) haben den fairen Wert für die DAX-Aktie zuvor bereits von 50 auf 45 Euro gesenkt. Der aktuelle Geschäftszyklus dürfte etwa Mitte 2025 seinen Höhepunkt erreichen, die Aktienkurse sollten wie in der Vergangenheit noch etwas länger laufen, so Analyst Janardan Menon in einem Ausblick auf die Berichtssaison der europäischen Halbleiterbranche. Das Geschäft mit der Autobranche bleibe ein Schwachpunkt, was Infineon sich auch bei Infineon zeigen sollte.
DER AKTIONÄR hat bereits erklärt: Selbst eine meist marktführende Aufstellung hilft Infineon im aktuellen Marktumfeld nicht wirklich. Der Konzern hat bereits zweimal seine Prognose für das vor Kurzem beendete Geschäftsjahr 2023/24 gesenkt. Bei der Präsentation der Zahlen für das Geschäftsjahr 2023/24 (30. September) am 12. November steht daher vor allem der Ausblick von Vorstand Jochen Hanebeck auf die kommenden Quartale im Fokus.
Im Vorfeld dürften von den Zahlen anderer Branchenvertreter wichtige Impulse ausgehen: Bereits am 16. Oktober stehen die Daten von ASML auf der Agenda, am 22. Oktober folgt Texas Instruments. Am 31. Oktober gewährt dann STMicroelectronics einen Einblick in die jüngste Geschäftsentwicklung, ehe am 4. November dann NXP Semiconductors seine Bücher öffnet.
DER AKTIONÄR hält weiter an seiner grundlegend positiven Einschätzung zu Infineon fest. Mit einer Belebung der Nachfrage und dem wieder anziehenden Umsatzwachstum sollte bei dem Chipkonzern ab dem kommenden Fiskaljahr 2024/25 eine erste Verbesserung der Rentabilität zu erkennen sein. Fällt der Ausblick von Konzernchef Hanebeck nicht zu pessimistisch aus, dürfte die Aktie entsprechend positiv reagieren. Weitere Abwärtsrisiken dürften durch die niedrigen Bewertungsmultiplikatoren begrenzt sein. Anleger mit Weitblick können daher auf dem aktuellen Niveau wieder einen ersten Fuß in die Tür stellen und die Position gestaffelt ausbauen.
(Mit Material von dpa-AFX)