+++ Geheimplan für Deutschland? +++

Dr. Alexander Elder: „Lerne, kleine Verluste zu lieben“

Dr. Alexander Elder: „Lerne, kleine Verluste zu lieben“
Foto: da-kuk/iStockphoto
Lars Friedrich 29.03.2025 Lars Friedrich

Unruhige Zeiten an den Märkten – wie reagiert einer der erfahrensten Trader der Welt? Dr. Alexander Elder erklärt, warum er Short-Positionen liebt, GameStop vermisst und das Traden nie aufgeben wird.

Vergangenen Donnerstag: An den US-Börsen deutet sich nach deutlichen Verlusten eine Stabilisierung an. In den USA sitzt Dr. Alexander Elder vor seinen Bildschirmen. Elders internationaler Bestseller „Alles, was Sie über Trading wissen müssen“ ist das wohl umfassendste Buch zum Handel mithilfe der technischen Analyse. Ob Anfänger, Fortgeschrittener oder Profi-Trader: Hier kann jeder noch etwas mitnehmen. Doch Elder schreibt und lehrt nicht nur, er handelt auch nach mehreren Jahrzehnten im Geschäft weiterhin selbst. Rente? Nicht so seins. Ein spontanes Interview? Gern. Aber bitte erst, wenn die Wall Street schließt. In 30 Minuten Handelszeit kann schließlich viel passieren. Kurz nach Börsenschluss klingelt es.

DER AKTIONÄR: Herr Dr. Elder, wie war Ihr Handelstag?

Dr. Alexander Elder: Langweilig. Absolut langweilig. Ich habe gesucht und gesucht, aber keinen einzigen großen Trade gefunden. Nur ein kleiner Testlauf mit einem neuen System, der gut funktioniert hat. Aber es gab nichts, um richtig Geld zu verdienen.

Frustrierend?

Nein. Das gehört zum ernsthaften Trading dazu. Man kann es mit einer Frau vergleichen: Man will sie verführen – aber sie ist nicht in Stimmung. Dann drängt man nicht. Man wartet, bis sie bereit ist. Der Markt ist genauso. Gestern war ein guter Tag. Heute? Nichts.

Dr. Alexander Elder
Dr. Alexander Elder: Geboren in Leningrad und aufgewachsen in Estland, lebt der ausgebildete Psychiater seit Mitte der 70er-Jahre in den USA. Er ist einer der profiliertesten Trader weltweit und Autor eines Standardwerks zum Thema Trading.

Was ist Ihr bevorzugter Handelszeitraum?

Ich bin kurzfristig unterwegs. Normalerweise halte ich Positionen nur ein paar Tage, maximal zwei Wochen.

Gerade sehen Sie kein attraktives Chance-Risiko-Verhältnis?

Richtig. Der Markt fällt nicht weiter, aber startet auch keine echte Rally. Ich trade in beide ­Richtungen, auch wenn ich eine Vorliebe für Shorts habe.

Warum ist Ihnen die Richtung nicht egal?

Shorts sind schneller. Aktien fallen doppelt so schnell, wie sie steigen. Weniger Zeit im Markt, weniger Risiko. Und: Weniger ­Konkurrenz. Die meisten shorten nicht.

Die vergangenen Wochen waren eine gute Zeit für Leerverkäufe …

Ja, unser wundervoller Präsident macht den amerikanischen Markt wieder erschwinglich.

„Ich mache immer noch Fehler. Früher waren sie groß, dann mittelgroß – jetzt sind sie klein.“

Spaß beiseite: Wo waren Sie ­zuletzt short?

Gestern bei Tesla. Der Kurs fiel – dann stieg er wieder. Also habe ich meine Position eingedeckt. Ich habe ein paar Hundert Dollar verdient statt ein paar Tausend. Aber die Hauptsache ist: schnell auszusteigen, wenn der Trade gegen einen läuft. Sehen Sie den Zettel auf meinem Bildschirm? Darauf steht: „Lerne, kleine Verluste zu lieben.“

Brauchen Sie so eine Erinnerung überhaupt noch?

Ja, ich mache immer noch Fehler. Früher waren sie groß, dann mittelgroß – jetzt sind sie klein.

Was bringt Sie aus dem Konzept?

Ablenkung. Ein Beispiel: Ich war gerade zwei Wochen in Österreich zum Skifahren. In der zweiten Woche waren Freunde da – alles Trader. Ich hatte mir vorgenommen, nicht zu handeln. Aber dann haben zwei Trades geflüstert: „Nimm mich, nimm mich!“ Ich bin eingestiegen. Sie liefen nicht richtig an. Ich habe die Trades vor dem Abendessen etwas im Verlust geschlossen. Später wären beide absolut perfekt gelaufen. Meine Freunde haben gelacht. Sie kennen das. Ich habe mir geschworen: Nie wieder traden im Urlaub mit Freunden.

Dr. Elder privat beim Skifahren
Dr. Elder beim Skifahren in Österreich: „Ich hatte mir vorgenommen, nicht zu handeln. Aber dann haben zwei Trades geflüstert: ‚Nimm mich, nimm mich!‘“

Managen Sie Ihre Trades mobil?

Nein. Nur falls ich nachts gegen 4:30 Uhr aufwache, checke ich eventuell offene Positionen im vorbörslichen Handel. Aber ich trade nicht am Handy.

„Nie wieder traden im Urlaub mit Freunden.“

Wie gehen Sie mit den ganzen Nachrichten rund um Donald Trump um?

Alle Nachrichten sind im Kurs enthalten. Aber es gibt Ausnahmen: Quartalszahlen, Dividenden, Short Interest sind relevante Nachrichten. Ich habe heute zum Beispiel bei Micron einen sehr attraktiven Trade gesehen. Dann habe ich festgestellt, dass Micron nach Börsenschluss seinen Quartalsbericht veröffentlicht. Wer so etwas ignoriert, spielt mit dem Feuer.

Weil das Risiko besteht, dass es zu einer deutlichen Kurslücke kommen könnte?

Genau. Und beim Short Interest gilt: Normalerweise liegen die Quoten für leerverkaufte Aktien bei ein bis zwei Prozent des gesamten Free Floats. Wenn hingegen alle eine Aktie leerverkaufen und die Quoten im zweistelligen Bereich liegen, kann schon eine halbwegs gute Nachricht zu einem Schneeball­effekt führen – und plötzlich schießt der Kurs nach oben. So eine Aktie sollte man nicht shorten.

Wie gehen Sie mit Meme-Aktien wie GameStop um?

GameStop war lange Zeit mein Brot-und-Butter-Trade. Das war eine großartige Aktie zum Shorten.

„Ich liebe hyperaktive Aktien – da steckt das schnelle Geld.“

Moment, wir reden von der Aktie, an der sich während der Meme-Aktien-Euphorie viele Profis mit Leerverkäufen die Finger verbrannt haben. Funktioniert Technische Analyse in solchen Fällen überhaupt?

Klar. Ich beobachte, wie euphorisch gekauft wird, und steige ein, wenn die Käufe versiegen. Dann entsteht eine Art Luftloch und der Kurs fällt plötzlich rasant. Das ist mein Moment – ein wundervolles Spiel.

Sie mögen extreme Volatilität?

Unbedingt. Ich liebe hyperaktive Aktien – da steckt das schnelle Geld. Aber das ist nichts für Anfänger. Es ist ein sehr, sehr gefährliches Spiel.

Dr. Alexander Elder, Alles, was Sie über Trading wissen müssen
Dr. Alexander Elder, Alles, was Sie über Trading wissen müssen, 352 Seiten, 59,00€ - Dieser Bestseller gilt unter Kennern als eines der besten Bücher zum Thema Trading. Es bietet sowohl fundiertes Wissen als auch tiefgründige Erkenntnisse über die Kunst des Tradings. Ein bewährtes Standardwerk, das zu Ihrem liebsten Begleiter an den Märkten werden wird!

Risikomanagement ist ein wichtiges Thema in Ihrem Buch. Bei Aktien wie GameStop kommen Sie aber nicht immer genau an Ihrem Stopp aus der Position. Was dann?

Dann habe ich einen Treffer ­kassiert und erleide einen größeren Verlust als geplant. Das kommt vor. Aber unter dem Strich lohnt sich das Spiel. Ich vermisse Game­Stop. Zuletzt habe ich die Aktie vor ein paar Monaten getradet. Danach gab es dort keine richtige Action mehr.

Haben Sie etwa Lieblingsaktien?

Ich habe eine Liste, die ich meinen „Harem“ nenne, ein Begriff, den ich in Berlin von einem befreundeten Trader übernommen habe. Das sind Aktien, die ich oft erfolgreich gehandelt habe. Game­Stop gehört dazu. Ich hoffe, sie erwacht noch mal zum Leben.

Was halten Sie von Bitcoin?

Bitcoin ist kein Trade, sondern ein Vermögenswert. Bitcoin ist das härteste Geld, das es gibt. Selbst Gold hat einen eingebauten Inflationsfaktor, weil es ständig weiter ausgegraben wird. Von Bitcoin hingegen kann es nur 21 Millionen Coins geben – und wir liegen jetzt schon knapp unter 20 Millionen.

„Bitcoin ist kein Trade, sondern ein Vermögenswert.“

Oh, Michael Saylors Narrativ aus Ihrem Mund?

Früher war ich skeptisch. Heute bin ich überzeugt: Bitcoin wird langfristig steigen. Aber ich fürchte, Michael Saylor könnte sein Unternehmen verlieren, weil er Geld leiht, um Bitcoin zu kaufen. MSTR war übrigens ein weiterer toller Short.

Aber Bitcoin selbst traden Sie nicht?

Nein, ich habe genug Bewegung am Aktienmarkt.

Hat sich Ihr Trading im Lauf der Zeit verändert?

Natürlich. Die Märkte sind heute schneller, volatiler. Man muss sich anpassen. Das ist das Schöne: Ich lerne immer noch dazu.

Sie sind auch selbst Lehrer. Ihr Buch „Alles, was Sie über Trading wissen müssen“ gilt als Standardwerk. Können Ihre Schüler damit so erfolgreich werden wie Sie?

Mein erfolgreichster Schüler ist sogar besser als ich.

Wie das?

Er ist total fokussiert. Seitdem er ein junger Mann war, liest er nur Börsenbücher. Er hat lange Zeit auf einer einsamen Insel gelebt und fuhr nur einmal in der Woche mit einem Boot zu einer größeren Insel, um Lebensmittel zu kaufen. Ich hätte nicht so leben können, aber er hat es genossen. Inzwischen ist er sehr glücklich verheiratet und für die Ausbildung seiner Kinder näher an eine größere Stadt gezogen. Ein echter Gentleman.

Letzte Frage – Klischee, ich weiß: Warum sind Sie noch nicht im ­Ruhestand?

Wovon sollte ich mich zurückziehen? Vom Trading, das superinteressant ist? Vom Reisen? Vom Unterrichten? Nächsten Monat fliege ich nach Chile zu einer Konferenz. Das macht Spaß. Ich treffe dort auch einen Freund. Also wird es doppelt Spaß machen. Klar, auf der Terrasse sitzen und einen Cocktail trinken ist nett – für ein, zwei Stunden. Aber was dann? Ich will nicht arrogant klingen, aber Warren Buffett braucht auch keine weitere Million. Ich tue es für mich. Das ist ein Lifestyle. Mein Trading wird jedes Jahr besser. Also warum sollte ich in Rente gehen? 

Zum Buch: Alles, was Sie über Trading wissen müssen

Dieser Artikel ist in DER AKTIONÄR Nr. 14/2025 erschienen, welches Sie hier als PDF gesamt herunterladen können.

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