Beim Unterhaltungsriesen Disney gibt es einen überraschenden Chefwechsel: Der langjährige Konzernlenker Bob Iger kehrt wieder an die Spitze zurück. Iger habe sich bereiterklärt, noch einmal für zwei Jahre die Führung zu übernehmen, teilte Disney in der Nacht zum Montag mit. Er war 15 Jahre lang Disney-Chef gewesen. Sein Nachfolger Bob Chapek sei zurückgetreten, hieß es.
Disney hatte zuletzt weiter starkes Wachstum im wichtigen Streaming-Geschäft verbucht, leidet jedoch unter hohen Kosten. Der jüngste Quartalsgewinn verfehlte die Erwartungen der Börse. Chapek kündigte daraufhin Sparmaßnahmen wie einen Einstellungsstopp und einen Stellenabbau an.
Disney hat im zurückliegenden Quartal den Gewinn nur um ein Prozent auf 162 Millionen Dollar gesteigert. Der Grund dafür waren vor allem hohe Kosten, auch bei Streaming. Der Umsatz kletterte zwar um neun Prozent auf 20,2 Milliarden Dollar, fiel allerdings ebenfalls schlechter aus als erwartet.
Iger hatte den Riesenkonzern Disney unter anderem durch den Kauf der Firmen hinter der "Star Wars"-Serie und der "Marvel"-Filme noch größer gemacht. Chapek, der zuvor für die Themenparks zuständig war, hatte 2020 als von Iger selbst bevorzugter Nachfolger übernommen. Zuletzt lagen sie aber laut Medienberichten im Streit.
Goldman-Sachs-Analyst Brett Feldman hatte nach Veröffentlichung der Quartalszahlen sein Kursziel von 137 auf 118 Dollar gesenkt. Allerdings erwartet er eine verbesserte Rentabilität ab dem ersten Quartal 2023. „Disney+ wird den Höhepunkt seiner Verluste 2022 erreichen“, so Feldman.
Die Aktie von Disney war im Anschluss an die Quartalszahlen unter die Unterstützung von 90 Dollar gefallen. Das Corona-Tief bei 79,07 Dollar konnte aber verteidigt und auch die 90-Dollar-Marke schnell zurückerobert werden. Entwarnung gibt es aus charttechnischer Sicht allerdings noch nicht. Zunächst wäre der Sprung über die 38-Tage-Linie wichtig. Ein deutlich positives Signal würde aber erst der Sprung über die 200-Tage-Linie bringen.