Als Anbieter von Hochleistungs-Datenbanken agiert Exasol am Puls der Zeit. Nach einem Strategieschwenk steht neben dem Umsatzwachstum auch eine spürbare Verbesserung der Profitabilität an. DER AKTIONÄR sprach mit Vorstand Jörg Tewes über die strategische Neuausrichtung, die operative Entwicklung und die Aussichten der Gesellschaft.
DER AKTIONÄR: Herr Tewes, Exasol hat im Geschäftsjahr 2024 erstmals seit dem IPO ein positives EBITDA und Konzernergebnis erreicht. Welche spezifischen Maßnahmen und strategischen Entscheidungen haben diesen finanziellen Wendepunkt ermöglicht?
Jörg Tewes: Unser operativer Erfolg ist das Ergebnis gezielter strategischer Anpassungen und konsequenter Kostendisziplin. Nach dem IPO hatte das Unternehmen im Marketing sehr stark auf Brandawareness und auf Expansion in den USA gesetzt, was hohe Kosten verursachte, aber nicht in dem Maße zu hohem Wachstum geführt hat, wie ursprünglich erhofft. Daher haben wir nach meinem Amtsantritt im Jahr 2023 die Strategie überdacht und unser Engagement in kostenintensiven Bereichen wie Sportsponsoring zurückgefahren. Gleichzeitig haben wir unsere Organisation in den USA gestrafft und auf eine effizientere Kostenstruktur geachtet.
Und wie hat sich dies umsatzseitig ausgewirkt?
Trotz der genannten Kostensenkungsmaßnahmen konnten wir unseren Umsatz in den vergangenen Jahren kontinuierlich steigern und auch im Geschäftsjahr 2024 zweistellig auf 39,6 Millionen Euro zulegen. Ein wesentlicher Erfolgsfaktor dabei war unsere Entscheidung, uns stärker auf den On-Premise-Markt und hybride Lösungen zu konzentrieren. Diese Strategie hat uns einen nachhaltigen Wettbewerbsvorteil verschafft und wird unser Wachstum auch in den kommenden Jahren weiter beflügeln.

Dieser Fokus zeigt in einigen Branchen besondere Erfolge. Warum ist das so und welche weiteren Schritte planen Sie, um dieses Wachstum langfristig zu sichern?
Der Markt für On-Premise- und hybride Lösungen ist mit einem Volumen von rund drei Milliarden Euro enorm groß. Viele Unternehmen schätzen die Vorteile: maximale Kontrolle über ihre Daten, höchste Sicherheit, Geschwindigkeit und Kosteneffizienz. Unsere Entscheidung, uns auf diesen Bereich zu konzentrieren, ermöglicht es uns, unsere Ressourcen gezielt einzusetzen und bereits jetzt entwickeln wir uns in unseren Fokusbranchen besser als der Markt. Insbesondere in stark regulierten Branchen wie dem Finanzsektor, dem Gesundheitswesen, Telekom- und Versorgungsunternehmen sowie der öffentlichen Verwaltung sehen wir großes Potenzial. Zudem treiben wir die Verbindung von Data Analytics und Künstlicher Intelligenz voran – ein Bereich, in dem wir künftig weiteres Wachstumspotenzial erschließen.

Exasol konnte einen Fünfjahresvertrag mit einer großen deutschen Landesbank abschließen und weitere Kunden mit sechsstelligen wiederkehrenden Umsätzen gewinnen. Was waren die ausschlaggebenden Faktoren für diese Erfolge?
Der Bankensektor unterliegt besonders strengen regulatorischen Vorgaben, weshalb viele Finanzinstitute ihre sensiblen Daten nicht ohne Weiteres in eine öffentliche Cloud auslagern können. Hier kommt unsere leistungsstarke Analytics Engine ins Spiel: Sie bietet Banken und anderen regulierten Unternehmen eine extrem schnelle und kosteneffiziente Lösung, um große Datenmengen sicher und performant zu analysieren. Dieser klare Wettbewerbsvorteil hat uns geholfen, bedeutende Kundenverträge insbesondere im Finanzsektor abzuschließen und unser Geschäft weiter auszubauen.
Durch die strategische Neuausrichtung kam es außerhalb Ihrer Fokusbranchen in Bereichen wie Retail und Business Services zu erhöhten Kündigungsquoten. Wie lange wird Sie diese Transformation noch begleiten und welche Maßnahmen ergreifen Sie, um die kurzfristigen Umsatzverluste in diesen Segmenten auszugleichen?
Unser Fokus liegt klar auf Branchen mit starkem Wachstumspotenzial. Während wir dort erfolgreich expandieren, ist die erhöhte Kundenabwanderung in den Non-Fokus-Branchen eine temporäre Erscheinung. Diese Entwicklung wird sich voraussichtlich noch im laufenden und im kommenden Jahr in abgeschwächter Form fortsetzen. Dennoch erwarten wir, dass das Wachstum in unseren Kernmärkten die Abwanderung mehr als kompensiert und wir auch 2025 einen neuen Rekordumsatz erwirtschaften können. Danach wird das überdurchschnittliche Wachstum in unseren Fokusmärkten zunehmend sichtbar und unser Gesamtgeschäft weiter dynamisch antreiben.
Sie haben mit dem Aufbau eines Entwicklungs-Teams in Indien begonnen. Welche konkreten Innovationen oder technologischen Weiterentwicklungen plant Exasol für 2025 und darüber hinaus, um Ihre führende Position im Bereich Analytics weiter auszubauen?
Neben der gezielten Expansion in unsere Kernbranchen forcieren wir insbesondere Innovationen im Bereich Künstliche Intelligenz. Wir investieren gezielt in Technologien, die die Verarbeitung von rechenintensiven KI- und Machine-Learning-Workloads verbessern. Ein spannendes Beispiel ist die Integration von GPU-Unterstützung, um KI-gestützte Prozesse effizienter zu gestalten. Unser Ziel ist es, dass Kunden Data Analytics mit GenAI-Lösungen so eng wie möglich koppeln können, so dass optimale Performance und Sicherheit gewährleistet sind.
Für das laufende Geschäftsjahr prognostizieren Sie bei einem Umsatzwachstum im mittleren einstelligen Prozentbereich ein EBITDA-Wachstum von mindestens 50 Prozent. Woher nehmen Sie diesen Optimismus hinsichtlich des erwarteten Gewinnsprungs?
Unsere Sales-Pipeline entwickelt sich äußerst positiv. Die Fokussierung auf Branchen, in denen unsere Analytics Engine ideal einsetzbar ist, zahlt sich aus. Da die optimierte Kostenstruktur nun ihre volle Wirkung entfaltet, wird sich bei steigenden Erlösen unsere operative Marge nachhaltig verbessern. Mit der erreichten Profitabilität können wir nun gezielt wichtige Investitionen im Bereich Technologie und Produkt vornehmen und so unseren Wettbewerbsvorteil weiter ausbauen. Zudem beobachten wir einen Trend, dass Unternehmen, die ursprünglich in reine Cloudlösungen gewechselt sind, nun wieder verstärkt On-Premise-Lösungen nachfragen.
Der operative Turnaround von Exasol spiegelt sich bereits in einer erfolgreichen Bodenbildung der Aktie wider. Verspüren Sie ebenfalls ein steigendes Investoreninteresse?
Das Interesse an Exasol auf Kapitalmarktkonferenzen und Roadshows war auch in der Vergangenheit schon hoch. Viele Investoren finden unseren Markt und unsere Technologie spannend, haben aber auf den richtigen Zeitpunkt zum Einstieg gewartet. Mit der Umsetzung unserer klaren Strategie und dem nachhaltigen Erreichen der Profitabilität erfahren wir nun zunehmend positives Investorenfeedback, das zeigt auch der Einstieg neuer Aktionäre. Dieses positive Momentum wollen wir mit einer nachhaltig dynamischen operativen Entwicklung untermauern.
Die Exasol-Aktie hat auf die Überholspur gewechselt, kurz nachdem DER AKTIONÄR den Spezialisten für Hochleistungsdatenbanken in Ausgabe 12/25 am 14. März als „Hot-Stock der Woche“ (Kurs: 2,73 Euro) vorgestellt hatte. Die Performance kommt dabei nicht von ungefähr: Exasol agiert am Puls der Zeit. Zudem bestätigte der Small Cap mit seinen endgültigen Zahlen die bereits im Februar veröffentlichten Eckdaten. Das Fazit hat Bestand: Auch wenn noch nicht alles rundläuft, zeigt die jüngste Entwicklung bereits die ersten positiven Auswirkungen der überarbeiteten Strategie. Die erwartete Beschleunigung des ARR-Wachstums und ein dynamischer Margenanstieg, der durch eine weiter verbesserte operative Effizienz und die Skalierung von On-Premise- und Hybridlösungen unterstützt wird, sollten der Aktie zu einem nachhaltigen Comeback verhelfen. Am Ende macht genau diese Entwicklung das Unternehmen auch interessant als potenziellen Übernahmekandidaten. Investierte Anleger lassen ihre Gewinne laufen. Schwache Tage bleiben Kauftage!
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