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Commerzbank: Schock für Comdirect-Aktionäre

Commerzbank: Schock für Comdirect-Aktionäre
Foto: comdirect
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Fabian Strebin 17.03.2020 Fabian Strebin

Die Komplettübernahme der Tochter Comdirect ist Teil der neuen Commerzbank-Strategie. Die Commerzbank machte dazu den verbleibenden Kleinaktionären im Herbst ein Angebot für Ihre Papiere. Damals besaßen die Frankfurter knapp 82 Prozent der Anteile und benötigten für einen Squeeze-out 90 Prozent. Doch es kam anders als gedacht und nun sollen Comdirect-Aktionäre doch weniger Geld bekommen.

Ende Oktober veröffentlichte die Commerzbank ein Erwerbsangebot für die restlichen Comdirect Papiere in Höhe von 11,44 Euro. Das lag 25 Prozent über dem hier herangezogenen Kurs für den Stichtag. Am Ende wurden aber nur 0,3 Prozent der verbleibenden Comdirect-Aktien angeboten, den der aktivistische Investor Petrus Advisers hatte seit dem Bekanntwerden des Übernahmeangebotes seinen Comdirect-Anteil von 5,7 auf knapp acht Prozent hochgefahren und die Übernahmeprämie als zu gering abgelehnt.

Prämie für aktivistischen Investor

Anfang des Jahres kaufte die Bank dem Großaktionär dann sein Comdirect-Aktienpaket von rund acht Prozent für 15,15 Euro je Papier ab. Den deutlich höheren Preis begründete die Commerzbank damals damit, Comdirect auf diese Weise schneller und effizienter integrieren zu können. „Es ist klar, dass für ein solches Aktienpaket eine Prämie zu zahlen ist.“

Rechtlich einwandfrei

Dass Kleinaktionäre bei einer Übernahme einen geringeren Preis erhalten als ein Großaktionär, ist laut Experten rechtlich zulässig. „Im Fall Comdirect vermeidet die Commerzbank dadurch beispielsweise eine langwierigere Verschmelzung im Zuge eines Aktientausches“, sagte Wirtschaftsanwalt Christoph Seibt, Partner in der Kanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer, im Januar gegenüber dem Handelsblatt.

Am Ende liegt es am Prüfer

Im Rahmen des Squeeze-out-Verfahrens werden zwei unterschiedliche Preise ermittelt. Es wird eine Unternehmensbewertung nach dem Standard des Instituts für Wirtschaftsprüfer vorgenommen, die von einem gerichtlich bestellten Gutachter auf Angemessenheit überprüft wird. Und es wird der volumengewichtete Durchschnittskurs der letzten drei Monate vor der offiziellen Ankündigung des Squeeze-outs errechnet. Commerzbank erklärte. „Die Angemessenheit der Barabfindung wird noch durch den gerichtlich ausgewählten und bestellten sachverständigen Prüfer Baker Tilly überprüft.“

Den kompletten Squeeze-out will die Commerzbank auf der Comdirect-Hauptversammlung im Mai abschließen. Kleinaktionäre sollen demnach nun 12,75 Euro erhaten und somit deutlich weniger als Petrus Advisers. Doch erste Unternehmen haben ihre Versammlungen schon abgesagt. Greift das Coronavirus weiter um sich, dann wackelt auch die Comdirect-Hautpversammlung. Das wirft die Commerzbank beim Konzernumbau weiter zurück.

Außerem zeigt die Tatsache, dass die Commerzbank kein Geld zu verschenken hat. Nachdem der Verkauf der polnischen Tochter mBank in der Luft hängt, droht mit der Comdirect nun der zweite Baustein bei der Restrukturierung wegzufallen.

Anleger meiden beide Aktien.
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