Die jüngst beschlossenen Kaptalmaßnahmen und eine damit einhergehende mögliche Beteiligung des Bundes bedürfen noch der Zustimmung der Aktionäre. Deshalb findet Anfang 2021 ein virtuelles Treffen der Anteilseigner statt. Dass die Aktionäre "grünes Licht" signalisieren, dürfte wohl angesichts der Notlage des Touristik-Konzerns ausgemachte Sache sein.
Konkret sollen die Aktionäre von TUI am 5. Januar über das dritte milliardenschwere Rettungspaket entscheiden, wie die Nachrichten-Agentur Reuters berichtet. Der Touristik-Konzern berief am Montag eine außerordentliche Hauptversammlung ein, die über eine mehr als 500 Millionen Euro schwere Kapitalerhöhung und den möglichen direkten Einstieg des Staates abstimmen soll.
Insgesamt bekommt das in Hannover ansässige Unternehmen weitere 1,8 Milliarden Euro, davon 544 Millionen Euro durch die Kapitalerhöhung und 691 Millionen durch eine stille Einlage des Wirtschaftsstabilisierungsfonds, die später „bei Bedarf“ teilweise in ein TUI-Aktienpaket von bis zu 25 Prozent plus eine Aktie getauscht werden kann. Für die Kapitalerhöhung muss der Reiseveranstalter das Grundkapital herabsetzen, weil der Preis für die neuen Aktien mit 1,07 Euro unter dem bisherigen Nennwert von 2,56 Euro liegt. Der Staat hatte den Konzern bereits im Frühjahr mit drei Milliarden Euro den Hannoveranern unter die Arme gegriffen.
Auch der russische Großaktionär Alexej Mordaschow, der bisher 24,9 Prozent hält, hat angekündigt, bei der Kapitalerhöhung mitzumachen. Wenn ihn die Finanzaufsicht Bafin von einem Pflichtangebot befreit, ist er bereit, seine Beteiligung bis auf 36 Prozent aufzustocken. Sonst bleibt er mit 29,9 Prozent unter der Schwelle, die ein solches Übernahmeangebot an die übrigen Aktionäre in der Regel nach sich zieht.
Angesichts der "Alternativlosigkeit" dürften die Aktionäre in hoher Prozentzahl den Weg für das dritte Hilfspaket ebnen. TUI hat damit einen weiteren wichtigen Baustein gesetzt, um das Überleben zu sichern. Darüber hinaus braucht es die mittelfristige Gesundung des Tourismus und dafür in den kommenden Monaten einen schnellen und hocheffizienten Impf-Prozess. Investierte Anleger bleiben weiter an Bord, beachten aber unbedingt den Stopp-Loss-Kurs bei 4,10 Euro.