Im freundlichen Marktumfeld zählen die Telekomaktien am Donnerstag zu den schwächsten Werten an der Börse. Deutsche Telekom, Telefónica Deutschland, 1&1 Drillisch und United Internet geraten allesamt unter Druck. Das Problem: Der finnische Netzwerkausrüster Nokia hat eine verheerende Gewinnwarnung veröffentlicht – der Grund sorgt auch in Deutschland wieder für Angst.
20 Prozent verliert die Nokia-Aktie am Donnerstag – und die Aussagen des Konzerns schrecken in der Tat ab. Bei der Vorlage der Zahlen zum dritten Quartal hat Nokia die Prognosen für 2019 und 2020 deutlich gekappt. 2019 rechnet der Konzern statt 25 bis 29 Cent Gewinn je Aktie lediglich noch mit 21 Cent. Für das kommende Jahr wurde die Spanne noch stärker von 37 bis 45 Cent auf 20 bis 30 Cent zurückgeschraubt.
Der deutliche Margenrückgang ist dabei auf den harten Kampf um Marktanteile im 5G-Geschäft zurückzuführen, so Nokia. Hohe Kosten und Preisdruck, Probleme in China und die Unsicherheit in den USA wegen der Fusion zwischen T-Mobile US und Sprint verschärfen die Probleme weiter. Um die anstehenden Investitionen stemmen zu können, streicht Nokia zudem die Dividenden für das dritte und vierte Quartal des Geschäftsjahrs 2018. Langfristig soll es bei einer besseren Kassenlage zwar weiter Ausschüttungen geben – diese seien aber abhängig vom jeweiligen Gewinn.
Der dramatische Kurssturz von Nokia belastet auch die deutschen Telekomaktien. Bei Anlegern kehrt die Angst zurück, dass die Milliardenkosten für 5G noch weiter ausufern. Sollten die Konzerne wegen der Investitionen ebenfalls die Dividenden angreifen – United Internet und Drillisch haben dies bereits im laufenden Jahr getan – drohen große Verluste. Zudem ist noch unklar, wann sich die hohen Kosten überhaupt rechnen, denn der 5G-Ausbau ist nicht nur kosten- sondern vor allem auch zeitintensiv.
In den vergangenen Wochen hatten sich die gebeutelten Telekomaktien stark entwickelt. Der Nokia-Schock zeigt aber, dass die Risiken durch den 5G-Ausbau weiter groß bleiben. DER AKTIONÄR bleibt deshalb weiter vorsichtig. Lediglich die Aktie der Deutschen Telekom bleibt auf der Kaufliste. Der Platzhirsch überzeugt mit der stärksten Bilanz, einer wachstumsträchtigen US-Tochter und dem lukrativen Funkturmgeschäft.
Der Vorstandsvorsitzende und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die durch die durch die Publikation etwaig resultierende Kursentwicklung profitieren: Deutsche Telekom.