Die Behandlungsmöglichkeiten bei einer chronischen Hepatitis-B-Infektion waren bislang überschaubar. Eine neue Therapie auf RNA-Basis gibt aber Anlass zur Hoffnung. Die jüngsten Daten dieses Biotech-Unternehmens waren stark.
Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat zuletzt von weltweit steigenden Hepatitis-Infektionen unbekannten Ursprungs bei Kindern unter zehn Jahren berichtet. Die Kinder hatten keine Vorerkrankungen, bekamen aber plötzlich schwere Leberentzündungen und mussten im Krankenhaus behandelt werden. Experten vermuten einen Zusammenhang mit den Corona-Maßnahmen. Dadurch könnte möglicherweise die Immunität von Kindern gegen Alltagsviren verändert worden sein. Eine solche Häufung unter Kindern ist in jedem Fall sehr ungewöhnlich und bedenklich, da betroffene Kinder häufig eine chronische Hepatitis B entwickeln.
Unter Erwachsenen zählt HBV schon lange zu den häufigsten Infektionskrankheiten der Welt. Nach Angaben der WHO haben mehr als zwei Milliarden Menschen eine HBV-Infektion durchgemacht, rund 300 Millionen Menschen sind derzeit chronisch mit HBV infiziert. Die bisherigen Behandlungsmethoden erfordern allerdings entweder eine lebenslange Therapie oder haben eine schlechte Verträglichkeit mit Heilungsraten von weniger als sieben Prozent. Umso größere Hoffnung liegt auf einer Therapie auf RNA-Basis, die das US-Biotech-Unternehmen Vir Biotechnology in der Pipeline hat.
300 Millionen Menschen weltweit leiden an einer chronischen Hepatitis-B-Infektion
Neue Therapie schafft Hoffnung
Die Corona-Pandemie hat den Beginn einer neuen Ära in der Medizin beschleunigt, die für viele bislang ungelöste medizinische Probleme neue Behandlungsmöglichkeiten ermöglichen wird: das Zeitalter der RNA-Medizin. Die Therapie von Vir Biotechnology und dem Partner Alnylam basiert genau auf diesem Ansatz. Die sogenannte Small Interfering RNA (siRNA)setzt an einem früheren Punkt der Erkrankung an, als es die derzeitigen Medikamente tun. Sie schaltet Boten-RNA (mRNA) wirksam ab und verhindert damit die Herstellung der krankheitsauslösenden Proteine. Sie stoppen also die Krankheit bereits in ihrem Ursprung. Vir Biotechnology führt derzeit gleich mehrere Studien der Phase 2 durch. Besonders vielversprechend ist eine Kombi-Therapie. VIR-2218 zusammen mit VIR-3434 lieferte zuletzt starke Daten – sowohl was die Wirksamkeit als auch das Nebenwirkungsprofil angeht. Zudem verspricht sich Vir-CEO George Scangos von der Kombi auch viel bei der Behandlung von Hepatitis D. Eine Hepatitis-D-Infektion kommt nur als Co-Infektion mit einer Hepatitis-B-Infektion vor und beschleunigt den Krankheitsverlauf. Die Infektionskrankheit Hepatitis D gilt als besonders aggressiv, sie kann schnell zu einer Leberzirrhose oder zu Leberkrebs führen. Derzeit befindet sich dies allerdings noch in der Präklinik.
Probleme bei Corona-Subtyp
Vir Biotechnology konnte bereits mit einem anderen Projekt für positive News sorgen. So gelang die Zulassung der zusammen mit dem Partner GlaxoSmithKline entwickelten Corona-Antikörper-Therapie Sotrovimab. Dementsprechend konnte sich Vir im vergangenen Jahr über Milliardeneinnahmen freuen. Doch zuletzt bereitete Sotrovimab Sorgen, die Aktie geriet unter Druck. Der Grund: Während die neutralisierende Aktivität gegen die ursprüngliche Omikron-Variante von SARS-CoV-2 bei Sotrovimab gegeben war, ist sie laut der US-Zulassungsbehörde FDA beim Subtyp BA.2 deutlich verringert. In-vitro-Daten hätten eine im Vergleich zum Wildtyp des Virus 15,7- bis 48,1-fach geringere Wirksamkeit gezeigt. In Bundesstaaten und Regionen, in denen BA.2 mehr als die Hälfte aller Fälle ausmacht, hat die FDA die Zulassung widerrufen, da die zugelassene Dosierung sehr wahrscheinlich nicht ausreichend wirksam sei. Auch der chinesische WuXi Biologics hat seine Partnerschaft beendet. Vir Biotechnology und der Partner GlaxoSmithKline haben aber bereits angekündigt, ein Datenpaket für eine höhere Dosierung vorzubereiten.