Nachdem im April unerwartet eine Rückstellung für das damals noch laufende Postbank-Verfahren gebildet werden musste, gibt es bei der Deutschen Bank nun Probleme bei der polnischen Tochtergesellschaft. Der Höhenflug der Aktie zum Jahresende ist damit endgültig gestoppt.
Falsch eingeschätzte Risiken haben der Deutschen Bank am Ende des Jahres 2024 einen Strich durch die Rechnung gemacht. Ein zweites Aktienrückkaufprogramm musste wegen der 1,3 Milliarden Euro schweren Rückstellung für das Postbank-Verfahren im April begraben werden. Gestern wurde zudem bekannt, dass es auch im vierten Quartal eine größere Belastung gab.
Wie auch die Commerzbank und andere Konkurrenten ist die Deutsche Bank von Rechtsstreitigkeiten in Polen betroffen, die sich um Schweizer-Franken-Hypothekenkredite drehen. Dies führte im laufenden Quartal zu einer Belastung von rund 310 Millionen Euro, da das Eigenkapital der polnischen Tochter entsprechend erhöht wurde.
Zwar hatte Finanzchef James von Moltke auf einer Konferenz im November angekündigt, dass im Zusammenhang mit dem Risiko aus Fremdwährungskrediten mit Rückstellungen im vierten Quartal zu rechnen sei. Die Bank arbeite daran, „alles, was in unserer Macht steht, hinter uns zu bringen“, sagte er damals. Man wolle die Anleger nicht mehr negativ überraschen.
Die Ausschüttungspläne für 2025 könnten jedoch belastet werden und sind nun schwieriger zu erreichen. Ein Sprecher der Deutschen Bank betonte gestern dennoch, dass die Bank im vierten Quartal weiterhin eine „starke operative Geschäftsentwicklung“ erwarte. Prognosen zu Kapital- und Verschuldungsquoten blieben unverändert, wie das Handelsblatt berichtete.
Ob diese Prognosen eingehalten werden können, bleibt abzuwarten. Im vierten Quartal hatten Analysten einen Nettogewinn von 905,3 Millionen Euro erwartet. Wie stark die Belastungen in Polen darin bereits eingepreist sind, wird sich in den kommenden Wochen zeigen, wenn die Prognosen angepasst werden. Am 30. Januar will der Vorstand die Zahlen zum Gesamtjahr 2024 und zum vierten Quartal vorlegen.
In den kommenden beiden Jahren muss die Deutsche Bank mehrere Milliarden Euro ausschütten, um ihre Ziele bis 2026 zu erreichen. Das ist durch die aktuellen Entwicklungen nicht einfacher geworden. Die Aktie reagierte gestern mit einem Rücksetzer und hat sich damit deutlich vom Jahreshoch bei 17,14 Euro entfernt. Die nächste Unterstützung liegt bei der 50-Tage-Linie bei 16,17 Euro. In den traditionell handelsschwachen Tagen um Weihnachten sind keine größeren Impulse mehr zu erwarten.
Investierte Anleger bleiben mit einem Stopp bei 14,00 Euro dabei. Ein Neueinstieg drängt sich in diesem Jahr nicht mehr auf.