Der Chartausbruch bei der Deutschen-Bank-Aktie ist geglückt. Allerdings stellt sich die Frage, wie nachhaltig er ist. Von der Bewertungsseite haben die Papiere noch deutliches Potenzial. Allerdings muss das Management in den kommenden Monaten zeigen, dass die Chancen auch aufgehen.
Gestern gehörte die Deutsche-Bank-Aktie zu den großen Gewinnern im Leitindex DAX. Denn es ist nicht mehr von der Hand zu weisen, dass Europa mehr in seine Verteidigung investieren muss. Das dürfte überwiegend über neue Schulden passieren, was gestern die Renditen europäischer Staatsanleihen steigen ließ.
Für Finanzaktien sind höhere Renditen und ein steigendes Zinsniveau positive Nachrichten. Ob sich die Geldpolitik der EZB durch potenziell höhere Schulden der Staaten ändert, ist hingegen noch nicht absehbar. Zumindest glückte der Aktie der Ausbruch über die obere Begrenzung des Aufwärtstrendkanals bei 19,75 Euro. Dieser war bereits am 28. Januar geknackt worden, allerdings hatte sich das dann als Fehlausbruch herausgestellt.
Auch dieses Mal sieht es nicht so aus, als wäre der Ausbruch nachhaltig. Denn der heutige Anstieg der Aktie ist nur noch moderat. Das könnte auch damit zusammenhängen, dass die Papiere in den letzten Wochen nur von der guten Stimmung in der europäischen Finanzbranche profitiert haben. Eigene Impulse, die für steigende Kurse sorgen könnten, gab es mit den durchwachsenen Quartalszahlen dagegen nicht.
Dabei ist die Aktie bewertungstechnisch gut gestützt. Das geschätzte KGV von 7 für das laufende Jahr gehört noch immer zu den niedrigsten Werten in der Peergroup. Der Durchschnitt der Konsensprognose für europäische Großbanken liegt bei 9. Auch eine andere Kennzahl zeigt eine Unterbewertung an. Das Kurs-Buchwert-Verhältnis von nur 0,6 liegt ebenfalls deutlich unter dem der meisten Wettbewerber.
Aktionäre können zudem darauf hoffen, dass die Papiere zukünftig stärker vom Rückkauf eigener Papiere profitieren. Demnächst dürfte ein Programm im Volumen von 750 Millionen Euro starten. Läuft es operativ gut, dann könnte im zweiten Halbjahr nachgelegt werden. Außerdem sollen die Dividenden weiter stark steigen.
Für die Hauptversammlung am 22. Mai hat der Vorstand eine Dividende je Aktie von 0,68 Euro vorgeschlagen. Das entspricht aktuell einer Rendite von 3,5 Prozent. Als Dividende für 2024 sollen somit 1,3 Milliarden Euro ausgeschüttet werden. Zusammen mit dem geplanten Aktienrückkauf 2025 ergibt das eine Ausschüttungssumme von 2,1 Milliarden Euro.
Die Aktie ist unterbewertet, und die Ausschüttungen dürften kräftig steigen. Aktuell fehlen aber die positiven Impulse, um den Kurs noch weiter steigen zu lassen. Im Tagesgeschäft muss der Vorstand in den nächsten Monaten zuerst Erfolge vermelden. Die Aktie bleibt eine Halteposition.