Vonovia will sich die restlichen Anteile an Deutsche Wohnen sichern, dabei aber keine Grunderwerbsteuer zahlen. Möglich macht das ein völlig legaler Trick. Die Politik in der Hauptstadt bringt das auf die Barrikaden. Anleger können den Gegenwind dennoch gelassen hinnehmen.
Durch Anpassungen in der Firmenstruktur umgeht Vonovia im Zuge der Übernahme der Deutsche Wohnen Steuerzahlungen in Höhe von einer Milliarde Euro. Diese Summe hätte der Bochumer Wohnungskonzern an Grunderwerbsteuer zahlen müssen, wenn er seinen Anteil an Deutsche Wohnen auf 100 Prozent ausbaut und die Aktie des Tochterunternehmens von der Börse nimmt.
Um die damit verbundene Grunderwerbsteuer zu umgehen, hat der Bochumer Konzern zusammen mit dem Investor Apollo eine neue Gemeinschaftsgesellschaft gegründet. Diese soll über 20 Prozent der Anteile der Vonovia-Tochter Deutsche Wohnen halten. Dadurch sinkt der Eigenanteil von Vonovia an Deutsche Wohnen auf 67 Prozent.
Selbst bei einem Erwerb der noch nicht kontrollierten Anteile an der Tochter würde der DAX-Konzern unter 90 Prozent bleiben. Dem Land Berlin entgehen durch dieses Vorgehen mehrere Hundert Millionen Euro an Grunderwerbsteuer, denn diese wird nur fällig, wenn mehr als 90 Prozent des Unternehmens erworben werden.
In der Politik sorgt das für Unmut. Vor allem die Berliner SPD-Fraktion hat es auf die sogenannten Share Deals abgesehen. Sie will in der Mieten- und Wohnungspolitik eine härtere Gangart durchsetzen und auch den Senat unter Druck setzen. „Wir brauchen eine mietenpolitische Revolution“, sagte der SPD-Fraktionsvorsitzende Raed Saleh der dpa.
Dabei seien auch Share Deals wie jetzt bei Vonovia im Visier. Diese seien eine Möglichkeit zur Umgehung der Steuerpflicht. Die entsprechende Gesetzeslücke in der Grunderwerbsteuer müsse dringend geschlossen werden. „Deshalb werden wir dazu mit dem Koalitionspartner sprechen und eine Bundesratsinitiative anstreben“, so Saleh. Generell dürfe es keine Bodenspekulation geben.
Vonovia kann den politischen Gegenwind gelassen hinnehmen. Für den Fall Deutsche Wohnen kommt eine mögliche Gesetzesänderung zu spät. Die Vonovia-Aktie hält sich unterdessen weiter über der Marke von 32,00 Euro. Hält der fundamentale Rückenwind an, dürften schon bald neue Jahreshochs erreicht werden. Investierte Anleger bleiben an Bord und lassen die Gewinne laufen.
Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Leon Müller, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Vonovia.