Der Solar- und Windpark-Betreiber Encavis hatte die Investoren bereits im Februar mit besser als erwartet ausgefallenen Eckdaten für das abgelaufene Geschäftsjahr überrascht. Bei der Vorlage des Konzernabschlusses am heutigen Dienstag nach Börsenschluss wurden diese teils sogar noch übertroffen. Dafür müssen Anleger eine andere Kröte schlucken.
Das Unternehmen will das Geschäft in den kommenden Jahren deutlich ausbauen und schüttet deshalb für das vergangene Jahr keine Dividende aus. Um die bis 2027 angepeilten Kapazitäts- und Umsatzziele aus eigener Kraft zu erreichen, soll der Gewinn des vergangenen Jahres in voller Höhe im Haus bleiben.
Aufsichtsrat und Vorstand schlagen vor, daher auf die Ausschüttung einer Dividende zu verzichten, wie das im MDAX notierte Unternehmen am Dienstag nachbörslich bei der Vorlage detaillierter Zahlen für das vergangene Jahr mitteilte.
Bitter: Analysten hatten im Vorfeld sogar damit gerechnet, dass die Ausschüttung vom Vorjahreswert in Höhe von 30 Cent je Anteil leicht steigen wird. Bei 161 Millionen ausstehenden Aktien hätte dies eine Ausschüttung von rund 50 Millionen Euro bedeutet.
Gute Zahlen verpuffen
Die endgültigen Zahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr traten dadurch zunächst in den Hintergrund – obwohl der operative Umsatz mit 462,5 Millionen Euro und das EBITDA mit 350 Millionen Euro sogar noch einmal deutlich über den vorläufigen Eckdaten von Mitte Februar lagen. Der bereinigte Gewinn pro Aktie stieg gegenüber dem Vorjahr um 25 Prozent auf 0,60 Euro.
Für das Geschäftsjahr 2023 geht der Vorstand von einer leicht rückläufigen Entwicklung der Umsatzerlöse auf etwas mehr als 460 Millionen Euro aus, das sind 440 Millionen Euro nach Abzug der Strompreisbremsen. Das operative EBITDA wird voraussichtlich mehr als 310 Millionen Euro betragen. Das operative Ergebnis je Aktie soll dagegen bei mehr als 0,60 Euro und damit über dem Vorjahreswert liegen.
Als Grund für die Umsatz- und Ergebnisrückgänge verweist Encavis auf die stark rückläufigen Strompreise in Europa. Insgesamt befinde sich der Konzern aber weiterhin voll auf seinem eingeschlagenen Wachstumspfad.
Für die Anleger ist das am Dienstag ein schwacher Trost, ihnen liegt die gestrichene Dividende schwer im Magen. Im nachbörslichen Handel bei Tradegate geht es daher um mehr als sechs Prozent abwärts. Die Aktie steht derzeit aber ohnehin nicht mehr auf der Empfehlungsliste des AKTIONÄR.
Mit Material von dpa-AFX.