Die Unsicherheit im Bankensektor hat der Commerzbank-Aktie zuletzt nicht gutgetan. Am heutigen Dienstag haben die Papiere des MDAX-Konzerns erneut temporär die 10-Euro-Marke gerissen. Für die kreditlastige Commerzbank könnten nämlich auch die höheren Zinsen – mit Blick auf eine aktuelle EZB-Bankenumfrage - problematisch sein.
Das erhöhte Zinsniveau wirkt sich offenbar deutlich auf die Kreditvergabe aus. Wie die Europäische Zentralbank (EZB) jüngst bekanntgab, haben die Banken des Währungsraums ihre Kreditstandards im ersten Quartal deutlich verschärft. Die Standards für Unternehmenskredite zogen - ähnlich wie schon im Vorquartal - so deutlich an wie seit der Euro-Krise im Jahr 2011 nicht mehr. Auch die Bedingungen zur Gewährung von Immobilien- und Verbraucherkrediten fielen strenger aus. Als Hauptgrund nennt die EZB die höhere Risikowahrnehmung der Banken.
Die Entwicklung kommt nicht ganz überraschend. Fachleute warnen schon seit einiger Zeit davor, dass insbesondere die Turbulenzen im Bankensektor der USA und Europa auf der Kreditvergabe lasten könnten. In den USA sind die Turbulenzen unlängst wieder hochgekocht, die angeschlagene Regionalbank First Republic musste durch die Großbank JPMorgan Chase übernommen werden. In Europa musste vor einigen Wochen die Schweizer Großbank Credit Suisse von der zweiten großen Schweizer Bank UBS übernommen werden.
Wie die EZB weiter mitteilte, berichten die Banken auch über eine deutlich schwächere Nachfrage nach Bankkrediten. Bei Unternehmenskrediten sei der wichtigste Grund das deutlich gestiegene Zinsniveau. Die Commerzbank selbst hatte schon im Februar gesagt, dass sie in diesem Jahr mit einem leichten Rückgang des Kreditvolumens rechne. Dies habe etwa mit einem geringeren Baufinanzierungsgeschäfts zu tun. Insgesamt rechnet die Commerzbank aber damit, dass sie von den höheren Zinsen unter dem Strich profitiere und ihr Zinsüberschuss in diesem Jahr steige.
Wie sehr das für die Commerzbank so wichtige Kreditgeschäft unter der aktuellen Entwicklung leidet, werden die Zahlen in rund zwei Wochen (17. Mai) zeigen. DER AKTIONÄR ist dafür optimistisch. Zudem spricht für die Aktie, dass das Management erstmals seit 2018 wieder eine Dividende zahlen will. Aktienrückkäufe dürften ebenfalls für Rückenwind sorgen. Charttechnisch wäre jedoch wichtig, dass die Marke von 10,00 Euro hält. Kurzum: Anleger mit Risikobewusstsein können nach wie vor aufspringen.
(Mit Material von dpa-AfX)
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