Nach den bösen Vorwürfen gegen den deutschen Zahlungsabwickler Wirecard steckt die Aktie des DAX-Neulings in schweren Turbulenzen. Visa, dem unangefochtenen Marktführer der Branche, sind derartige Probleme fremd. Die Aktie hält sich nach einer jahrelangen Top-Performance im schwierigen Marktumfeld stabil – und hat noch Luft.
Kaum eine Aktie hat sich in den vergangenen Jahren derart gut entwickelt wie Visa. Seit dem IPO im schwierigen Jahr 2008 beläuft sich das Kursplus auf 1.180 Prozent. Mit einem 2020er-KGV von 23 ist Visa kein Schnäppchen. Allerdings ist das Wachstumspotenzial noch nicht ausgereizt: Dieses Jahr wird der Visa-Gewinn um 15 Prozent zulegen. Im kommenden Jahr werden es aller Voraussicht nach 16 Prozent sein.
Einen kräftigen Umsatz- und Gewinnboost wird es für Visa geben, wenn das Unternehmen endlich Zutritt zum chinesischen Markt erhält. Visa und der Konkurrent Mastercard streben ins Reich der Mitte, doch bisher ohne Erfolg. Beide Unternehmen haben sich bei der chinesischen Zentralbank um eine Genehmigung zur Abwicklung von Yuan-Zahlungen beworben. Doch wie die Financial Times berichtet, hat die People’s Bank of China die Anträge noch gar nicht offiziell angenommen und damit auch noch nicht bearbeitet.
Doch die Hoffnung aufgeben sollte man keineswegs. Die Regierung in Peking hat bereits im Jahr 2014 Bereitschaft signalisiert, den Markt zu öffnen. Zuvor hatte die Welthandelsorganisation einen solchen Schritt gefordert. Es dauerte aber bis 2017, bis die chinesische Zentralregierung Regeln veröffentlichte, wie genau sich ausländische Anbieter um eine Zulassung bewerben können.
Der chinesische Markt hat enormes Potenzial. Im vergangenen Jahr haben die Chinesen via Karte 28.000 Milliarden Euro ausgeben. Die Zahl der Transaktionen belief sich auf 55 Milliarden.
Aktie holt Luft
Aus charttechnischer Sicht ist bei Visa alles in Ordnung. Die Aktie konsolidiert zwar seit Herbst, notiert allerdings nach wie vor über der 38-, der 90- und der 200-Tage-Linie. Der langfristige Aufwärtstrend ist intakt, das Rekordhoch bei 151,56 Dollar in Reichweite.
Trend intakt, Aktie läuft und läuft
Wie gut es bei Visa läuft, zeigen die Zahlen für das erste Quartal des Geschäftsjahres 2018/19: Sowohl beim Umsatz (5,5 Milliarden vs. 5,4 Milliarden Dollar) als auch beim Gewinn (1,30 Dollar vs. 1,25 Dollar Gewinn je Aktie) übertraf das Unternehmen die Erwartungen des Marktes. Seit Empfehlung des AKTIONÄR liegt Visa mit 87 Prozent vorne. Laufen lassen!