Die Pleite des Reiseveranstalters Thomas Cook vor wenigen Wochen schockte die Kunden und auch die Anleger des Konzerns. Schon schnell wurde aber klar, dass der langjährige Rivale TUI davon durchaus ordentlich profitieren könnten. In der vergangenen Woche erklärte nun TUI-Deutschland-Chef Marke Andryszak, dass man durch den Wegfall von Thomas Cook für 2020 mit einer halben Million zusätzlicher Kunden rechnet. Auch Tourismusexperte Torsten Kirstges sieht diese Entwicklung und erwartet kein Comeback von Thomas Cook.
Die insolvente deutsche Thomas Cook wird nach Einschätzung von Kirstges kaum zu alter Stärke zurückfinden. Das halte er für sehr unwahrscheinlich, sagte Kirstges der Deutschen Presse-Agentur. "Die anderen Veranstalter teilen die Felle bereits untereinander auf." TUI, DER Touristik, Alltours und Co. bauen derzeit ihre Kapazitäten aus und buhlen um Thomas-Cook-Kunden. "Die durch die Insolvenz geschädigten Reisebüros werden von den anderen Veranstaltern umworben. Verunsicherte Kunden werden sich umorientieren", erwartet Kirstges.
Die deutsche Thomas Cook, die in den Strudel der Pleite des britischen Mutterkonzerns geraten ist, arbeitet daran, ab 1. Dezember 2019 wieder operativ tätig zu sein und Reisen ab Jahresbeginn 2020 anbieten zu können. "Selbst wenn es gelingt, Anfang Dezember den Geschäftsbetrieb wieder aufzunehmen, dürfte dies auf sehr kleiner Flamme erfolgen", sagte Kirstges, Professor an der Jade-Hochschule in Wilhelmshaven voraus.
Die Aktie von TUI hat zuletzt massiv zugelegt und ist auf ein neues Mehrmonatshoch gestiegen. Dabei konnte auch die wichtige 200-Tage-Linie nach oben durchbrochen werden. Anleger sollten jedoch die Problematik mit den Boeing-737-Max-Maschinen und auch den Brexit nicht außer Acht lassen. Investierte Anleger sichern deswegen ihre Position mit einem Stopp bei 8,20 Euro ab.
(Mit Material von dpa-AFX)