Ein verlässlicher Indikator macht den Anlegern zunehmend Sorgen. Die Rendite der 2-jährigen amerikanischen Staatsanleihen ist derzeit höher als die der 10-jährigen – und zwar nicht nur ein bisschen, sondern so hoch wie seit 2000 nicht mehr. Alle Augen richten sich nun auf die Inflationsdaten und die Fed.
Bei der 2-jährigen US-Anleihe bekommen die Anleger derzeit 3,27 Prozent – die 10-Jährige wirft 2,8 Prozent ab. Das bedeutet: Bondkäufer schätzen die kurzfristigen Konjunkturrisiken höher ein als die langfristigen – und wollen somit mehr Zinsen vom Emittenten.
Ein solcher Zustand, den man inverse Zinskurve nennt, tritt nicht oft auf. Aber wenn er auftritt, ist er ein genauer Indikator für einen Rückgang des BIP. In den USA ist es seit Ende der 1970er-Jahre jedes Mal nach einer inversen Zinskurve zu einer Rezession gekommen.
Aktuell rechnet der Markt offenbar mit einer sehr ausgeprägten Rezession – die Diskrepanz bei den Renditen ist so hoch wie 2000. Die Rezession dauerte damals bis Oktober 2001 – die Börse erreichte ihr Tief indes erst im März 2003.
Wie es weitergeht, kommt nun in großem Stil auf die Inflation und folglich auf die Fed an. Am heutigen Mittwoch um 14:30 Uhr gibt es aus den USA frische Daten zur Geldentwertung. Erwartet wird, dass die Verbraucherpreise etwas von ihrem enorm hohen Niveau zurückkommen. Kommt es so, könnte die Fed den Fuß vom Gas nehmen. Die Märkte könnten durchatmen – zumindest etwas.
Mit 2000 ist die aktuelle Situation nicht zu vergleichen. Damals gab es tiefe strukturelle Unternehmensprobleme und eine enorme Überbewertung bei Aktien. Heute sind die Unternehmen insgesamt völlig gesund und moderat bewertet: Der Dow Jones kommt aktuell auf ein KGV von 17 und liegt damit auf dem Niveau der vergangenen 25 Jahre. Das KGV beim DAX liegt sogar nur bei 11. Heißt: Eine Menge Risiken – eventuell auch eine moderate Rezession – sind schon eingepreist. Trotzdem ist es derzeit vernünftig als Anleger, nicht all-in bei Aktien zu gehen.