Die Pandemie – gerade in den Lockdownphasen – gilt als eine Zeit des Verzichts: auf Reisen, auf (private) Treffen, auf Freizeitaktivitäten. Fast die Hälfte der Deutschen nahmen sich im Sommer 2020 als weniger mobil wahr. Auch zukünftig wollte man diese „neue Normalität“ leben. Doch dieses Umdenken war wohl nur temporär – gut für den Tourismus und für TUI.
Konkret: Die Corona-Pandemie hat die Mobilität der Deutschen vorübergehend zwar stark verändert, zu einer nachhaltigen Änderung der inneren Haltung wird dies einer Studie zufolge aber nicht führen. "Die Ergebnisse legen nahe, dass die große Mobilitätsrevolution ausgeblieben ist", schreibt das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI (Karlsruhe) mit Blick auf eine repräsentative Umfrage. Dafür waren im August 2020 sowie im April 2021 Bewohner deutscher Großstädte dazu befragt worden, wie sie nach der Pandemie ihr Verhalten etwa in Bezug auf Reisen ändern wollen.
Rolle rückwärts
Beim Thema „Urlaub beziehungsweise freizeitbezogenen Wege“ drehte sich nämlich der Trend von 2020 zu 2021 wieder um: Zunächst hatten die Befragten mit Blick auf Urlaube im Schnitt noch gesagt, ihre Mobilität künftig einschränken – also weniger reisen oder zumindest weniger fliegen – zu wollen. Im Jahr darauf hingegen antworteten die Menschen im Schnitt auf die gleiche Frage, dass sie beim Verreisen künftig sogar noch mobiler sein wollten als vor der Pandemie.
"Von einer Reduzierung der Mobilität ist im April 2021 wenig übrig geblieben", so der Forscher weiter. "Wenn schon jetzt während der Pandemie so viele Menschen angeben, zu alten Mustern zurückkehren zu wollen, ist das kein gutes Zeichen für die Mobilitätswende."
Auch wenn die TUI-Aktie am Freitag wieder unter die 4-Euro-Marke rutscht, diese Trendumkehr beziehungsweise diese Rückkehr zu Vor-Corona-Vorlieben und -Verhaltensmustern dürfte dem Touristik-Marktführer (langfristig) in die Karten spielen. Kurzfristig drängt sich allerdings ein Neu-Einstieg aufgrund der Delta-Variante und damit einhergehender fundamentaler Unsicherheiten nicht auf, zumal auch das Chartbild keinen guten Eindruck macht. Frische (Q3-)Zahlen liefert der Reiseveranstalter am 12. August.
(Mit Material von dpa-AFX)