TUI besorgt sich erneut Geld am Kapitalmarkt. Der Reisekonzern stockt eine im April begebene Anleihe zur finanziellen Überbrückung der Corona-Krise noch einmal auf. Zusätzlich zur Delta-Variante und Angela Merkels Plänen, die für TUI wichtigen englischen Touristen "auszusperren", ist das ein weiterer Belastungsfaktor für die Aktie.
Wie das in Hannover ansässige Touristik-Unternehmen mitteilte, wird das Volumen von 400 Millionen Euro um neue sogenannte Wandelschuldverschreibungen über einen Nennbetrag von 190 Millionen Euro erweitert. Solche Papiere können vom Eigentümer zu einem späteren Zeitpunkt in Aktien getauscht werden.
Bekannte Konditionen
Die Hannoveraner erklärten, die Konditionen seien die gleichen wie bei dem im Frühjahr an den Markt gebrachten Titel: Die Wandelanleihe soll bis 16. April 2028 laufen und zu einer Prämie zwischen 25 und 30 Prozent in neue Aktien des TUI-Konzerns gewandelt werden können. Die Verzinsung soll bei 4,5 bis 5 Prozent liegen.
200 Millionen Euro
Der Zufluss an Mitteln betrug laut einer weiteren Mitteilung vom späteren Abend gut 200 Millionen Euro, da TUI die Papiere zu einem höheren Kurs als dem Nennbetrag verkaufen konnte. Der Erlös soll in die laufende Refinanzierung fließen.
TUI ist nach dem über weite Strecken ausgefallenen Geschäft im ersten Corona-Jahr 2020 darauf angewiesen, dass mehr Geld durch Buchungen in die Kasse kommt - parallel dazu besorgt sich der Konzern ergänzende Mittel von Investoren. So soll auch die tatsächliche Inanspruchnahme der milliardenschweren Staatskredite auf das Nötige begrenzt und die Rückzahlung der daraus genutzten Tranchen eingeleitet werden.
Vorstandschef Fritz Joussen hatte gesagt, die Anleihen könnten eine Voretappe dafür sein - gesetzt den Fall, dass auch die Buchungen und Anzahlungen der Kunden so zurückkehren wie erhofft. Nach der ersten Platzierung im April hielt sich TUI angesichts der hohen Nachfrage nach der Anleihe die Option offen, das Volumen noch zu erhöhen.
Die TUI-Aktie sackt am Dienstag im frühen Xetra-Handel weiter ab und notiert zeitweise bei 4,20 Euro.
Die Kapitalmaßnahme ist in der aktuellen Gemengelage ein weiterer kursbelastender Faktor. Investierte Anleger bewahren dennoch die Ruhe und beachten den Stopp-Kurs bei 3,60 Euro.
(Mit Material von dpa-AFX)