Nach der Erholungsrallye der vergangenen Tage holt im schwächeren Marktumfeld am Dienstag auch die Aktie von ThyssenKrupp kräftig Luft. Trotz des Minus von rund sechs Prozent notiert der MDAX-Titel aber noch immer mehr als 80 Prozent über dem Tief nach den Quartalszahlen. Ein Großaktionär hat die Erholung genutzt und seinen Anteil weiter reduziert.
Die Regierung von Singapur, die mit ihrem Staatsfonds GIC bereits Anfang Mai einen Teil der Beteiligung verkauft hatte, ist erneut tätig geworden. Noch im September 2019 hatte Singapur den Stimmrechtsanteil auf 5,3 Prozent ausgebaut. Nun beträgt er lediglich noch 3,46 Prozent – 2,85 Prozent davon können Singapur direkt zugerechnet werden, wodurch die 3-Prozent-Schwelle unterschritten wurde.
Es hatte sich bereits im Mai angedeutet, dass Singapur das Vertrauen in den Turnaround bei ThyssenKrupp verliert. Daran scheint auch die Erholungsrallye nichts mehr ändern zu können. Für den Großaktionär scheint es noch immer zu viele offene Fragen geben. Konzernchefin Martina Merz hat zwar eine tragfähige Strategie für die Zukunft präsentiert. Doch die Entschuldung, die Partnersuche für den Stahl und den Marineschiffbau sowie das Aufpäppeln von Komponentengeschäft und Werkstoffhandel bleiben eine große Herausforderung.
Gelingt ThyssenKrupp die Trendwende, erscheint die Bewertung auch nach der Erholungsrallye noch attraktiv. Doch die Risiken sind angesichts der schwachen Bilanz gewaltig. Das Chance-Risiko-Verhältnis ist deshalb nach wie vor bei anderen Werten besser.